Kultur

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Programmteil Kultur (Kurzversion)

Für alle, die sich gerne inspirieren lassen: Darmstadt ist Kunst und Kultur.

GRÜNE Konzepte für Kultur

Ein bedeutender Teil der Darmstädter Stadtgeschichte ist ihre Kulturgeschichte. Das kulturelle Selbstverständnis unserer Stadt zeigt sich bis heute in einer Vielzahl an öffentlichen und freien Kultureinrichtungen und -initiativen. Das Angebot umfasst etablierte Hochkultur wie eine alternative und experimentelle Szene, international renommierte Einrichtungen ebenso wie lokal agierende Projekte.

Balkon Staatstheater

Balkon Staatstheater

In den vergangenen fünf Jahren ist es durch eine verlässliche und solide finanzierte Förderpraxis gelungen, die wichtige Arbeit dieser Institutionen und Initiativen für Darmstadt zu sichern und in vielen Fällen noch weiter auszubauen. Diese Vielfalt werden wir GRÜNE auch in Zukunft erhalten und durch Kommunikations-, Netzwerk- und Strukturangebote weiter unterstützen.

Kulturelle Tradition und avantgardistische Entwicklungen sind seit jeher prägend für Darmstadt. Dieses Potenzial werden wir nutzen.

Grundsätzlich ist für uns GRÜNE Kunst frei von Zweckbestimmung.

Kunst wird von einzelnen Menschen oder Gruppen gemacht, die Eindrücke, Ideen oder Erfahrungen in künstlerischen Prozessen und Werken Gestalt werden lassen. Im geschichtlichen Kontext, im Zusammenwirken dessen, was früher bereits künstlerisch geschaffen wurde und was heute kreativen Ausdruck findet, entsteht Kultur.

Kunst kann vieles bewirken: sie steigert die Attraktivität einer Stadt und verbessert die Lebensqualität, sie hilft dabei, Unternehmen und Fachkräfte an einen Standort zu binden, und sie gibt Denkanstöße – aber in erster Linie ist Kunst frei und nicht funktionsgebunden. Gesellschaftliche Funktion erhält sie erst in ihrer kulturellen Wirkung und im Zusammenschluss und Austausch mit anderen. Dies zu fördern, war schon immer Ziel GRÜNER Kulturpolitik in Darmstadt. Wir werden hieran auch in Zukunft weiter intensiv arbeiten.

Denn die Gestaltung der Kultur kann nur im Zusammenspiel der bestehenden Kultureinrichtungen mit den verschiedenen Ressorts der Stadtverwaltung und politischer Gremien, mit Künstlerinnen und Künstlern, zivilgesellschaftlichen Strukturen und der örtlichen Kulturwirtschaft gelingen.

1. KULTURELLE NETZWERKE SCHAFFEN, STRUKTUREN VERBESSERN

Kulturreferent

Ein unabhängiges Kulturreferat wurde etabliert. Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Leitung des Eigenbetriebs Kulturinstitute und die strategische Unterstützung des Kulturdezernenten in kulturellen und kulturpolitischen Angelegenheiten. Zu den Aufgaben des Kulturreferenten gehört es außerdem, den kommunikativen Prozess der Kulturschaffenden mit ihren politischen und auch ökonomischen Partnern weiterzuentwickeln und mit neuen Themen anzureichern.

Schaffung eines Kulturbeirats und verstärkte Koordinierung der Kulturschaffenden untereinander

Es soll ein Kulturbeirat aus Kulturschaffenden, Kulturinteressierten sowie Politikerinnen und Politikern geschaffen werden, der das kulturelle Profil Darmstadts schärft und die zukünftige Entwicklung der Darmstädter Kulturlandschaft mitgestaltet. Die Arbeit der Initiative „Kulturelle Mitte“ beispielsweise, die mit viel Engagement gestartet ist, soll dabei integriert und weiterentwickelt werden.

Darüber hinaus soll die Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander koordiniert, weiterentwickelt und – wo es nötig ist – angestoßen werden.

Die Akteure der einzelnen Kultursparten wie z. B. Literaturinstitutionen und -Veranstalter, Theaterszene, junge Kreative oder studentische Kulturszene werden jeweils an „Runden Tischen“ wie z.B. dem „Themenkreis Kultur“ zusammengebracht, um Synergien in Hinblick auf Programmentwicklung und Marketing auszuloten und mehr als bisher auszuschöpfen. Aus der Vernetzung der einzelnen Sparten wiederum soll eine spartenübergreifende Initiative entstehen, die gemeinsam mit dem geplanten Kulturbeirat das kulturelle Profil Darmstadts schärft.

2. DENKANSTÖSSE GEBEN, NEUE WELTEN KENNENLERNEN, VORURTEILE ABBAUEN

Kunst und Kultur leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Klima in Darmstadt, denn sie bieten Raum für Austausch und Kommunikation zwischen sich widersprechenden Lebensweisen und Kulturen. Gesellschaftliches Leben ist von Differenz und Konsens geprägt. Indem Kunst und Kultur Begegnungen mit Unbekanntem und Unerwartetem schaffen, brechen sie alte Denkmuster auf und fördern die Lust, Neues zu entdecken. Sie können dabei helfen, Vorurteile abzubauen, Differenzen auszuhalten und mit ihnen umzugehen.

Kulturarbeit für Geflüchtete

Viele Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten nach Darmstadt gekommen sind, sind traumatisiert, weil sie in ihrer Heimat oder auf der Flucht Gewalt und Leid erfahren haben. Ihr Alltag in den Erstwohnhäusern und Notunterkünften ist von Unsicherheit über ihre weitere Zukunft, von Enge und Tristesse geprägt. Gleichzeitig müssen sie viel lernen: eine neue Sprache, eine andere Kultur und neue Regeln. Kulturarbeit mit Flüchtlingen kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten und die Verständigung zwischen Einheimischen und Zugewanderten zu fördern. > Interkulturelles, > Die Herausforderung des Jahrzehnts

Natürlich haben Kunst und Kultur eigene Werte, sie dürfen nicht von Politik und Wirtschaft vereinnahmt werden und müssen keinen Zweck erfüllen oder gesellschaftliche Defizite kompensieren. Dennoch hat die Praxis gezeigt, dass diese Effekte möglich sind.

Gemeinschaftliche, interkulturelle Kulturprojekte wie das Opernprojekt „Cosi fan tutte“ des bayerischen Vereins „Zuflucht Kultur“ oder das Bremer Syrian Expat Philharmonic Orchestra haben dazu beigetragen, dass gegenseitige Vorurteile abgebaut und beim Betrachter Empathie und intuitives Verstehen hervorgerufen wurden.

Auseinandersetzungen mit Leid, Krieg und Zerstörung waren von jeher für Künstlerinnen und Künstler schöpferischer Impuls. In der Zusammenarbeit mit kunstinteressierten Flüchtlingen können Künstlerinnen und Künstler diesem Impuls nachgehen. Bei der Arbeit steht der künstlerische Aspekt im Vordergrund, mögliche Nebeneffekte können psychosozialer und integrativer Art sein.

Die Darmstädter Kulturszene mit ihrer Vielzahl an großen und kleinen Institutionen und Projekten ist bestens geeignet, Geflüchtete an unserer Kultur – aktiv wie passiv – teilhaben zu lassen.

Wir GRÜNE setzen uns deshalb ein für

* eine schnelle Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Kulturprojekte mit Flüchtlingen

* Unterstützung bei der Vernetzung von freien Trägern und etablierten Kulturinstitutionen, die Kulturprojekte mit Flüchtlingen anbieten

* Unterstützung für Künstlerinnen und Künstler, die solche Kulturprojekte durchführen

3. ÖFFENTLICHEN RAUM WOHNLICH GESTALTEN

Durch Kunst und Architektur wird die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert. Uns GRÜNEN ist es wichtig, dass der Stadtraum allen Menschen zur Verfügung steht – ohne an Konsum gebunden zu sein. In den Stadtteilen und in der Innenstadt werden Plätze geschaffen, an denen Begegnung und Kommunikation stattfindet, ohne dass sie an ökonomische Zwänge gekoppelt sind. > Stadtentwicklung und Mobilität

Gestaltungsbeirat

Wir haben uns für einen Gestaltungsbeirat eingesetzt, der grundsätzlich bei allen wesentlichen stadtplanerischen Maßnahmen eine gewichtige beratende Rolle einnimmt.

Wir GRÜNE verstehen den Gestaltungsbeirat nicht ausschließlich als Forum für Stadtgestalterinnen und Stadtgestalter, Architektinnen und Architekten, sondern seine Gründung ist mit einem ästhetischen Anspruch in Bezug auf die Stadtentwicklung verbunden. Unwirtlichkeit und Verschleiß werden benannt und neue Ideen ihnen entgegengesetzt.

Kunstkommission

Wir haben eine Kunstkommission etabliert. Deren Aufgabe wird es sein, Qualität von Form und Inhalt der Kunst im öffentlichen Raum grundsätzlich zu bewerten, bestehende Arbeiten zu überprüfen und für zukünftige neue Kunstwerke im Stadtraum geeignete Standorte zu finden.

WAS WIR GRÜNE NOCH ERREICHEN WOLLEN:

Neugestaltung der unteren Rheinstraße als Entree der Wissenschaftsstadt Darmstadt und Platzentwicklung im Umfeld der Kunsthalle
Die untere Rheinstraße ist das Entree der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es wird täglich von vielen Tausend Besucherinnen und Besuchern passiert. Wichtige Wirtschafts- und Handwerksvertretungen sowie große Unternehmen sind hier angesiedelt. Wir GRÜNE wollen, dass diese zentrale Einfahrt zur Stadt neu gestaltet wird. Dabei soll die Aufenthaltsqualität für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Anliegerinnen und Anlieger durch neue Grünflächen und eine Instandsetzung der Brunnenanlagen verbessert werden. > Stadtentwicklung und Mobilität

Für Neuankömmlinge sollen die Potenziale der Wissenschaftsstadt sichtbar gemacht werden, indem die in Darmstadt ansässigen Kultur- und Wissenschaftsinstitute mit geeigneten Mittel präsentiert werden.

Zwischen Kunsthalle und DGB-Haus befand sich einst der historische Eingang zur Residenzstadt Darmstadt. Dieser Ort bedarf einer grundlegenden Umgestaltung, sodass er wieder als Platz wahrgenommen werden kann.

Das Angebot an Straßentheater ausweiten
Staatstheater

Staatstheater

Straßentheater ist ein ideales Medium, um Innenstadt und Stadtteile unabhängig von Angeboten, die an Konsum geknüpft sind, erlebbar zu machen. Dank des Vereins Kw8-Werkstatt für Theater und Kultur hat Darmstadt eine lebendige Straßentheater-Szene. Das Angebot an Straßentheater soll in Zukunft noch ausgeweitet werden, um verwaiste Plätze aufzuwerten und gemeinschaftliche Kulturerlebnisse zu schaffen, die ohne Schwellen- oder Berührungsängste frei zugänglich sind. > Stadtentwicklung und Mobilität

Internationales Waldkunstzentrum dauerhaft unterstützen

Seit vielen Jahren leistet der Verein für internationale Waldkunst wertvolle Pionierarbeit bei der Vermittlung von Kunst im Naturraum. Er ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Kunst in der Stadt und Freiraumgestaltung. Bereits sieben Mal organisierte er den Internationalen Waldkunstpfad im Bessunger Forst, bei dem Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt den Wald zur Bühne für Kunstobjekte und Installationen machten. Der Waldkunstpfad ist mittlerweile zu einem Exportschlager „Made in Darmstadt“ geworden. Er wurde schon nach China und Wisconsin transferiert, Länder wie Südkorea und Russland haben ebenfalls Interesse bekundet.

Darüber hinaus finden im Internationalen Waldkunst Zentrum regelmäßig Führungen, Symposien, Aktionen und waldpädagogische Angebote für Kinder statt. Diese wichtige Arbeit gilt es endlich, in angemessenem Maße zu unterstützen, um dieses kulturelle Alleinstellungsmerkmal für die Stadt dauerhaft zu sichern.

4. KUNST UND KULTUR GEHÖREN IN DIE STADT

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass das vielfältige Angebot an Theatern, Musikclubs, Kinos, Museen und Ausstellungsräumen in der Darmstädter Innenstadt und in den Stadtteilen durch temporäre Kunst- und Aktionsflächen ergänzt wird. Leer stehende Räume sollen kulturell zwischen-, um- oder nachgenutzt werden, denn institutionalisierte wie auch temporäre Kunst- und Kulturflächen schaffen ein attraktives Umfeld für Einzelhandel, Dienstleistungs- und Tourismusbranche.

Deshalb dürfen attraktive Flächen nicht allein nach vordergründig wirtschaftlichen Gesichtspunkten vergeben werden. Kunst und Kultur gehören mitten in die Stadt und nicht auf Flächen mit geringem Bodenwert, denn sie sind es, die aus gesichtslosen Großstädten unverwechselbare Orte machen.

Wir GRÜNE sehen es deshalb als Aufgabe von Kultur-, Wirtschafts- und Stadtentwicklungspolitik, Freiräume für künstlerische Aktivitäten im Stadtraum zu schaffen.

WAS WIR GRÜNE NOCH ERREICHEN WOLLEN:
Leerstandsvermittlung für kulturelle Projekte

Die Aufgabe der Vermittlung von temporär nutzbaren Liegenschaften soll von der städtischen Verwaltung übernommen werden, um die Zusammenführung von Kreativen und Grundstücks- bzw. Hausbesitzern besser zu koordinieren.

Ein Kreativ-Quartier schaffen

Vor allem junge bildende Künstlerinnen und Künstler in Darmstadt benötigen dringend bezahlbare Atelier- und Arbeitsräume. 2014 konnte auf Initiative der GRÜNEN erreicht werden, dass das Pallaswiesen-/Mornewegviertel in das Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. > Soziales Im Zuge des Entwicklungsprozesses wollen wir GRÜNE, dass das Viertel nicht allein zur „Sozialen Stadt“, sondern auch zur „Kreativstadt“ wird. Es sollen Arbeitsräume und Ausstellungsmöglichkeiten für Kreative aus allen Bereichen geschaffen werden. Diese Maßnahme verbessert die Arbeitsbedingungen von Künstlerinnen und Künstlern in Darmstadt und verhindert, dass diese in andere Städte abwandern. Zudem steigert die Ansiedlung von Kulturschaffenden die Attraktivität des Pallaswiesen-/Mornewegviertels und trägt zur Steigerung der Lebensqualität seiner Bewohnerinnen und Bewohner bei.

Bei der Entwicklung der Stadtteile soll darauf geachtet werden, dass auch die Bedarfe der Kreativwirtschaft und Kleingewerbetreibender Berücksichtigung finden.

5. BILDUNG UND KULTUR VERNETZEN

Wir GRÜNE sehen kulturelle Bildung als Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Sie ist in unseren Augen wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Bildungsbegriffes. Bildung ihrerseits leistet einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis von Kultur.

WAS WIR GRÜNE NOCH ERREICHEN WOLLEN:
Studentische Kultur und Technische Universität stärker in den städtischen Gesamtzusammenhang einbinden
Energiesparhaus der TU

Energiesparhaus der TU

In Darmstadt gibt es 40.000 Studierende. Studentische Initiativen wie Schlosskeller und 603qm bieten ihnen ein attraktives Kulturprogramm. Wir GRÜNE wollen dieses manifestieren und es enger mit anderen Kultureinrichtungen in der Stadt vernetzen. Denn andere Kulturinstitutionen und Initiativen in Darmstadt, wie z. B. das Staatstheater, bieten ebenfalls attraktive Angebote für Studierende. Diese werden jedoch oft nicht ausgeschöpft. Mit einer Öffnung der Campusse für Aktionen und Vorstellungen der Kulturschaffenden sollen Kultur und Bildung enger miteinander verzahnt und gemeinsame Handlungsstränge ermittelt werden.

L1A: Makers Space Lauteschläger 1A als offene Werkstatt für kreatives Arbeiten erhalten

Der L1A Makerspace e.V. betrieb bis Juli 2015 eine kleine, nicht-kommerzielle Werkstatt im Herzen Darmstadts. Dann musste der Verein die Arbeit einstellen, da ihm ab diesem Zeitpunkt die Räumlichkeit und die Maschinen nicht mehr zur Verfügung standen.
Fast zwei Jahre lang konnte zuvor jede/r, die/der wollte im L1A Makerspace basteln, bauen und lernen, kreative Vorstellungen aller Art umzusetzen. 
Das Angebot fand regen Zuspruch. Es entstand ein kreatives Netzwerk aus jungen Menschen der Bereiche Design, Kunst, Industrie, Architektur und Elektronik. Wir GRÜNE wollen den Verein L1A Makerspace bei der Suche nach neuen Räumen unterstützen, damit dieser Kreativpool für Darmstadt erhalten bleibt.

FabLab als Fabrikationslabor für Start-ups und Neugründungen

Im FabLab Darmstadt können interessierte Personen neue Technologien der digitalen Fabrikation ausprobieren und mit ihnen experimentieren. Unerfahrene Nutzerinnen und Nutzer werden geschult und angeleitet. Zugleich ist das FabLab Darmstadt ein Raum, in dem sich Kreative, Erfinderinnen und Erfinder, Forscherinnen und Forscher sowie Programmiererinnen und Programmierer zum gemeinsamen Arbeiten und zum Austausch treffen. Das Wissen, das im Fabbing & Founding-Projekt erarbeitet wird, wird durch spezielle Workshops an Unternehmen Start-ups, User-Entrepreneurs und Studierende weitergegeben. Wir GRÜNE wollen den Gedanken aufgreifen und für Darmstadt weiterentwickeln. > Wirtschaft & Finanzen

6. STADT-GESCHICHTE BEWAHREN UND IMMER WIEDER NEU SCHREIBEN

Das historische Erbe einer Stadt ist identitätsstiftend, denn es schafft Unverwechselbarkeit und erzeugt das Gefühl von Heimat. Heute geht es jedoch nicht mehr darum, Geschichte für eine mehr oder weniger homogene Bürgerschaft zu überliefern, sondern das kulturelle Erbe für eine interkulturelle Stadtgesellschaft universell rezipierbar zu gestalten. Museen, Archive und Denkmalschutz müssen einen offenen Diskurs darüber führen, was und für wen sie sammeln, bewahren und forschen wollen. Geschichtsarbeit muss interdisziplinär gedacht werden und die neue Vielfalt der Stadtgesellschaft berücksichtigen und weiterentwickeln.

WAS WIR SCHON ERREICHT HABEN:
Sanierung und Welterbe-Bewerbung Mathildenhöhe
Welterbe werden

Welterbe werden

Die Mathildenhöhe als internationaler Mittelpunkt des Jugendstils und zentraler Identifikationsort Darmstadts erhält eine denkmalgerechte Sanierung und wird im Sinne der Gründungszeit weiterentwickelt. Die Einrichtung der Künstlerkolonie 1899 und die weltweit erste Internationale Bauausstellung 1901 auf der Mathildenhöhe kamen einer Initialzündung für Darmstadt gleich. Erstmals wurden Kunst, Wohnen, Arbeiten, Lernen und Freizeit zusammen gedacht. Mit der Unterstützung des in der Region als beispielhaft angesehenen Osthang Projects im Rahmen des Architektursommers Rhein Main 2014 und der Bewerbung der Mathildenhöhe als UNESCO Welterbe haben wir diesen Impuls für Darmstadt neu aufgegriffen.

Neuordnung der Institute auf der Mathildenhöhe

Der beschlossene Umzug des Deutschen Polen-Instituts ins Darmstädter Schloss ist zudem ein erster wichtiger Schritt für die Neuordnung der Institute auf der Mathildenhöhe. Durch ihn ist es gelungen, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung auf der Mathildenhöhe zu halten und somit Darmstadts Ruf als Stadt der Literatur zu festigen. Im Zuge der Neuordnung wird es möglich sein, das PEN-Zentrum auf die Mathildenhöhe zu holen.

WAS WIR GRÜNE NOCH ERREICHEN WOLLEN:
Welterbe werden! Design-Museum und offener Wettbewerb für den Osthang
Sonnenuntergang Mathildenhöhe

Sonnenuntergang Mathildenhöhe

Die Bewerbung um den Status des UNESCO-Welterbes für die Mathildenhöhe war ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung des kulturhistorischen Erbes der Stadt.

Langfristig soll ein interaktives Design-Museum auf der Mathildenhöhe die verschiedenen Design-Sammlungen innerhalb der Stadt bewahren und bündeln, das vorhandene Wissen archivieren und den auf der Mathildenhöhe geborenen Gedanken der Einheit von Architektur, Design, Kunst und Leben fortschreiben. Hier wird die Sammlung des Instituts für Neue Technische Form (INTEF) eine ebenso bedeutende Rolle spielen wie auch der Werkbund.

Für den Osthang der Mathildenhöhe soll ein offener Wettbewerb ausgeschrieben werden, der das Gebiet in das Gesamtkonzept für die Mathildenhöhe eingliedert und Ideen für eine künftige Nutzung liefert. Dabei soll auf die Ergebnisse des international beachteten Osthang Projects im Rahmen des Architektursommers Rhein-Main 2014 und der dazugehörigen Zukunftswerkstatt Mathildenhöhe, veranstaltet vom Verein Darmstädter Architektursommer in Kooperation mit der TU Darmstadt, Fachbereich Architektur, aufgebaut werden. Durch diese Maßnahmen wird die Bedeutung der Mathildenhöhe als Ort des Aufbruchs in die Moderne fortgeschrieben.

Kultur der Erinnerung stärken

In Darmstadt muss der Fokus auf die Orte der Erinnerungskultur auch weiterhin geschärft werden.

Denkzeichen Güterbahnhof

Denkzeichen Güterbahnhof

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass das Denkzeichen Güterbahnhof nach der Sanierung der Bismarckstraße an seinen ursprünglichen Ort zurückkehrt und ihm dort ein besonderer Stellenwert eingeräumt wird. Es ist nicht ausreichend, nur einmal im Jahr eine Gedenkstunde abzuhalten. Der Wahrnehmbarkeit dieses Ortes, von dem aus 1942–1943 Darmstädter Juden und Sinti deportiert wurden, muss das ganze Jahr über durch angemessene Pflege Tribut gezollt werden.

Die öffentliche Wahrnehmung und Sichtbarkeit des Erinnerungsortes „Liberale Synagoge“ muss gestärkt werden. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten erscheint dringend angebracht.

Ein Ausstellungsraum für die Dauerausstellung „Verfolgung der Sinti & Roma“ muss eingerichtet werden.

Wir setzen uns für ein Denkmal für die von den Nazis verfolgten Homosexuellen ein. > Queeres Darmstadt Wichtig sind uns insbesondere die Stolpersteine, eine „Erinnerungskultur von unten“ sowie Zeitzeugen-Programme. Eine Pflege der bereits angebrachten Gedenktafeln sollte in die Wege geleitet werden.

7. KULTURELLE VIELFALT SICHERN UND AUSBAUEN

Uns GRÜNEN liegt die kulturelle Vielfalt besonders am Herzen. Nur mit vielen unterschiedlichen kreativen Impulsen können für alle Menschen in der Stadt Identifikationspunkte geschaffen werden. Für die kulturelle Vielfalt in Darmstadt sorgen unter anderem folgende Institute, Institutionen und Gruppen:

Theater Mollerhaus

Theater Mollerhaus

* die freie KulturSzene mit den Gruppen im Theater Mollerhaus, der Bessunger Knabenschule, dem Hoffart Theater
* die Centralstation
* die Goldene Krone
* das Staatstheater Darmstadt
* das Institut Mathildenhöhe, die Kunsthalle, das Hessische Landesmuseum
* die Darmstädter Sezession, der BBK, das Atelierhaus, das INTEF
* der Branchenverband Kreative Darmstadt e.V.
* das Porzellanschlösschen, das Stadtmuseum am Hinkelsturm und das Schlossmuseum
* die Galerien
* die Akademie für Tonkunst, das Internationale Musikinstitut mit den „Internationalen Ferienkursen für Neue Musik“, das Jazzinstitut mit der lebendigen Jazzszene und den „Jazz-Conceptions“
, der Konzertchor Darmstadt
* die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit dem „Georg-Büchner-Preis“, das Deutsche PEN-Zentrum und der Kranichsteiner Literaturpreis
* das Literaturhaus, das unter seinem Dach einer Vielzahl von unterschiedlichen Gesellschaften und Einrichtungen einen festen Platz gibt

Mollerbau und Landesmuseum

Mollerbau und Landesmuseum

* das Hessische Staatsarchiv, das Stadtarchiv
* das Deutsche Polen-Institut
* die Filmemacherinnen und Filmemacher
* die „Darmstädter Tage der Fotografie“
* der „Waldkunstpfad“ sowie der Verein „Vogelfrei“
* das „Just-for-Fun“-Straßentheaterfestival
* der Poetry-Slam, dessen Szene deutschlandweit einzigartig ist
* der Science Slam
* die Bibliotheken und Büchereien
* die Kabarettistinnen, Kabarettisten und Kleinkunstbühnen wie das Halbneun und das TiP
* das blumen, Earl Street, Zucker
* die vielfältige Darmstädter Musikszene
* sowie die vielen einzelnen Kulturschaffenden

Oetinger Villa

Seit über 25 Jahren leistet die Oetinger Villa für Darmstadt wichtige Jugend- und Kulturarbeit. Ende 2015 erhielt sie dafür den höchstdotierten Bundesmusikpreis „Applaus“. Uns GRÜNEN ist es wichtig, dass diese eigenständige Subkultur Teil der Darmstädter Kulturlandschaft bleibt und auch weiterhin einen Kontrapunkt zu den etablierten Kultureinrichtungen der Stadt bietet. > Jugend

WAS WIR SCHON ERREICHT HABEN:
Solide finanzierte Förderpraxis gesichert

Wir haben die Vielfalt des künstlerischen Lebens in Darmstadt durch eine verlässliche und solide finanzierte Förderpraxis gesichert, die transparent und gerecht erfolgt.

Centralstation

Die Centralstation ist in eine städtische Beteiligungsgesellschaft überführt worden und dadurch als wichtiger Kulturstandort, „Sozialnetzwerker“ und als Kommunikationszentrum für die Innenstadt erhalten geblieben.

Staatstheater Darmstadt
Büchnerplatz

Büchnerplatz

Es ist der Stadt gelungen, das Staatstheater Darmstadt gemeinsam mit der Landesregierung finanziell besser auszustatten und alle drei Sparten für Darmstadt zu erhalten.

Theater Moller Haus

Die umfassende Instandsetzung des Theaters Moller Haus, mit der einem Jahrzehnte lang währenden Sanierungsstau endlich ein Ende bereitet wird, ist ein klares Bekenntnis zur Freien Szene Darmstadts. 36 Gruppen und Einzelkünstlerinnen und -künstler mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater erhalten dadurch einen modernen, energetisch verbesserten, barrierefreien Spielort. Eine Ausweichspielstätte für die Zeit der Umbaumaßnahmen ist ebenfalls gefunden, sodass Kontinuität und Planungssicherheit für die Künstlerinnen und Künstler gewährleistet ist.

Bessunger Knabenschule

Das soziokulturelle Zentrum mit seiner Vielfalt an Kreativräumen, der Halle für Konzerte, Theater und anderes sowie den Kinderläden ist eine wichtige Einrichtung im Herzen Bessungens. Auch hier ist es uns gelungen, dass die Stadt die Mittel für eine dringend notwendige Sanierung des gesamten Gebäudes zur Verfügung stellt.

Kunsthalle Darmstadt

Die Kunsthalle Darmstadt steht für bürgerliches Engagement in Sachen zeitgenössischer Kunst. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts innerhalb des aufstrebenden Bürgertums entstandenen Kunstvereine wollten Kulturvermittlung nicht allein dem Adel überlassen. 1889 erhielt der Darmstädter Kunstverein, einer der ältesten Deutschlands, sein erstes eigenes Ausstellungsgebäude. Nach dessen Zerstörung 1944 wurde 1957 am Steubenplatz eine neue Kunsthalle errichtet. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude beeindruckt bis heute als architektonisches Kulturdenkmal. Mit der 2014 begonnenen Generalsanierung wird einer wichtigen Darmstädter Vermittlungsinstanz für zeitgenössische Kunst ein adäquater Raum gesichert.

WAS WIR GRÜNE NOCH ERREICHEN WOLLEN:
Kunstarchiv

Das Kunstarchiv ist das Gedächtnis der Bildenden Kunst Darmstadts. Hier wir gesammelt, dokumentiert und bewahrt. Die räumliche und personelle Situation stößt an ihre Grenzen. Das muss entschieden verbessert werden. Dafür setzen wir uns ein.

Für uns GRÜNE steht die kulturelle Vielfalt in Darmstadt nicht zur Disposition, im Gegenteil: Wir kennen und schätzen ihr Potenzial und wollen auch weiterhin Raum für künstlerische Entwicklungen schaffen, sodass das Vermächtnis der Moderne weitergeführt werden kann.

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